Montag, 18. Mai 2009

Mein erster Marathon - 15.-17.05.2009


15.05.2009

Mit nur einem Hauch von Wettkampferfahrung - nicht mal ein Halbmarathon war dabei - und auch nur einer grauen Vorahnung was Berglaufen heißt, machte ich mich am Freitag gemeinsam mit Mann und Hund und unseren Freunden Gudrun und Lutz auf den Weg nach Thüringen zum Rennsteig.

Die Fahrt nach Thüringen verlief an sich sehr gut. Nach sechs Stunden Fahrt waren wir an unserem ersten Ziel in Schnepfenthal. Hier holten sich unsere Nordic Walker ihre Startunterlagen für die 35-km-Tour ab.

Eine Stunde später ging es dann weiter nach Neuhaus. Hier hätten wir uns allerdings viele Umwege und Zeit sparen können. Zunächst haben wir aufgrund einer alten Straßenkarte den schnelleren Weg über die Autobahn verpasst. Außerdem wäre auch am Starttag noch genug Zeit für das Abholen der Unterlagen gewesen.

Nachdem wir letztendlich 9 Stunden unterwegs waren, war mir dann auch ziemlich elendig zumute. Ich hatte die letzten Tage wegen unserer Wohnungsproblematik schon sehr wenig geschlafen, jetzt machte sich auch die Schaukelei der letzten Stunden in unserem Campingbus bemerkbar.

Eigentlich hatte ich mich so auf die Pasta-Party mit Petra und ihren Freunden gefreut, vor allem auch auf das Kennenlernen von Beate - aber mein Anhang erklärte resolut, dass ich auch noch ein wenig zur Ruhe kommen müsste. Und da wir nicht wussten, wie lange man auf dem Campingplatz mit dem Schlüssel für unser Quartier warten würde, war ich also schnell überstimmt.

So fuhren wir dann zum Campingplatz in der Nähe von Oberhof. Dort gab es dann im Restaurant eine wirklich leckere Pasta mit Waldpilzen.

Eigentlich hätte ich nun vor lauter Müdigkeit schnell in den Schlaf fallen müssen, aber es wurde wieder nur ein kurzer unruhiger Schlaf.

16.05.2009

Um 4.00 Uhr morgens war dann auch diese kurze Nacht vorbei. Gegen 5.15 Uhr fuhren wir dann nach Oberhof zum Busstellplatz. Obwohl mein Bus erst um 6.00 Uhr losfahren sollte, stand er bereits schon da. Wir wünschten uns also gegenseitig Glück und ich stieg in meinen Bus nach Neuhaus, welcher sich dann auch schnell füllte.

Ich kam dann auch irgendwann mit meiner sympathischen Platznachbarin ins Gespräch und irgendwann fragte sie mich, ob ich Marianne wäre. Jetzt stellte sich heraus, dass sie Kathrin aus Leipzig war und wir schon in Petras Blog voneinander gelesen hatten. So verging dann auch die einstündige Busfahrt wie im Fluge. Natürlich hatten wir auch immer wieder einen Blick für die herrliche Landschaft, durch die wir fuhren.

Meine Vorfreude, aber auch meine Aufregung wuchs immer mehr.

In Neuhaus angekommen hatten wir noch zwei Stunden Zeit bis zum Start. Wir sind dann erstmal zur GutsMuths-Halle, um zu schauen, ob wir bekannte Gesichter sehen. Kathrin hielt vor allem nach Holger (Laufwunder) Ausschau. Schließlich trafen wir ihn dann gemeinsam mit Nora und Ina, denen auch ihr erster Marathon bevor stand.

Wir beschlossen dann, auf die Startwiese zu gehen. Dort trafen wir auf die Läufergruppe von "Geh aufs Ganze" und etwas später auch auf Petra. Nach einer herzlichen Begrüßung und Abgabe der Kleiderbeutel sammelten sich dann die Läufer so langsam zum Start.

Aber erstmal kam das, wovon ich schon so viel gehört hatte. Jetzt wurde erst einmal gesungen und geschunkelt zu Schneewalzer und Rennsteiglied. Über uns kreiste ein Hubschrauber und filmte, es herrschte eine tolle Stimmung.

Dann fiel der Startschuss. Über 3.000 Läufer machten sich jetzt auf den Weg in das Abenteuer Rennsteig-Marathon.

Nachdem Holger und Kathrin sich zuvor über eine anvisierte Zeit unterhalten hatten, war mir klar, dass es nicht meine Zeit sein würde. Jetzt bloß nicht verleiten lassen, du musst dein eigenes Tempo finden. Also ließ ich mich dann auch etwas zurückfallen. So schade wie ich es fand, Kathrin aus den Augen zu verlieren, aber ich hatte alleine trainiert und ich wusste, dass es für mich wichtig war, mit einem langsameren Tempo anzufangen.

Die ersten ca. 4,5 km ging es auf der Straße hinaus aus Neuhaus. Trotz des leichten Anstieges fiel es mir nicht schwer, ein gleichmäßiges Tempo zu finden.
Nach der ersten Getränkestelle ging es dann auf einen Waldweg. Beim nächsten Anstieg bin ich dann das erste Mal ins Gehen umgestiegen. Ich wollte nicht schon jetzt zu viel Kraft vergeuden.
An den Verpflegungsstellen hielt ich mich konsequent an den hoch gelobten Schleim und es war exakt das Richtige für mich und meinen Magen.

Dann war die Turmbaude Masserberg auch bald erreicht. Als ich dann den Halbmarathon-Punkt erreichte, war ich besonders froh. Noch keine wirklichen Beschwerden, jetzt war ich optimistisch, es wirklich schaffen zu können.

Die Waldwege waren teilweise durch den Regen der vergangenen Tage aufgeweicht und matschig. Man musste schon sehr aufpassen, um nicht doch mal auszurutschen.
Eine besondere Herausforderung stellte aber der Hohlweg nach dem "Schwalbenhaupt" dar. Hier geht es zwar bergab, aber so über Stock und Stein und Wurzeln, das allerhöchste Aufmerksamkeit geboten war. Andererseits fand ich es total herrlich, ein richtiger Geländelauf.
Hier lernte ich dann auch eine Läuferin aus Leipzig kennen, die ebenfalls ihren ersten Marathon lief. Und wir kamen mit dem Dreier-Team der Rennsteigläuferin Doris Windels-Buhr ins Gespräch. Sie lief gemeinsam mit ihrer Freundin und einem behinderten Läufer, der bereits seinen 37. Marathon absolvierte.

Ab hier kreuzten sich dann auch immer wieder unsere Wege und die Gespräche machten für mich die kommende Zeit noch abwechslungsreicher.

Allerdings kamen jetzt auch die Schmerzen in der vorderen Oberschenkelmuskulatur. Eigentlich kenne ich ja nur Muskelkater, den man hinterher bekommt. Jetzt fiel es mir auch schwer nach den Gehpausen beim Anstieg hinterher wieder ins Laufen zu verfallen. Aber da hilft nur Zähne zusammenbeißen und durch.

Nach der letzten Erfrischung in Frauenwald konnte man jetzt auch die Stimmung des Zielbereiches in Schmiedefeld hören und das gab zusätzlichen Auftrieb.

Der Anstieg auf den letzten 900 m hatte es nochmal in sich. Durch das Applaudieren der Zuschauer auf den letzten Metern wurde man aber nochmal richtig angefeuert. Obwohl ich die ganze Zeit lächeln konnte, kamen mir plötzlich die Tränen. Ich habe sie aber schnell runtergeschluckt, schließlich wollte ich mit einem Lächeln im Gesicht ins Ziel laufen.

Beim Durchlaufen des Ziels habe ich das erste Mal auf meine Uhr gesehen. Ich hatte meinen ersten Marathon und Rennsteiglauf in einer Zeit von genau 6 Stunden bewältigt. Da ich mit weitaus mehr gerechnet hatte, war ich doch angenehm überrascht.

Jetzt traf ich nochmal auf mehrere Läufer, mit denen ich unterwegs ins Gespräch gekommen war. Wir gratulierten uns gegenseitig zu unserem gelungenen Lauf und das Alles bei schönstem Rennsteigwetter. Es war eine fantastische Stimmung.

Irgendwann fand ich auch die Wiese mit den Kleidersäcken und meinen Beutel. Jetzt wollte ich erstmal Uwe anrufen, was auch klappte. Er fragte mich, wo ich denn sei und war total überrascht zu hören, dass ich schon durchs Ziel war. Er stünde im Zielbereich und hätte mich aber nicht reinlaufen sehen. So kam es, dass ich nicht einmal ein persönliches Foto von meiner Zielankunft habe. Da muss ich wohl sehen, ob ich noch ein offizielles Ankunftsfoto bekomme.

Jedenfalls verabredeten wir uns dann im Zielbereich. Aber wen ich nicht fand war Uwe. Ich irrte bestimmt eine dreiviertel Stunde herum, ohne dass ich ihn fand. Leider hatte nun auch mein Handy seinen Geist aufgegeben. Langsam bekam ich schon etwas Panik. Bis ich auf den Gedanken kam, ihn über den Meeting-Point ausrufen zu lassen. Also machte ich mich auf den Weg dorthin und dort stand er dann mit Gudrun und Lutz. Sie waren offensichtlich gerade auf den selben Gedanken gekommen.

Dann wurde ich in den Arm genommen und beglückwünscht, Uwe hatte sogar eine Rose für mich dabei.
Jetzt konnte ich auch endlich das los werden, was ich in den letzten Stunden erlebt hatte.

Plötzlich war mir ganz merkwürdig zumute. Wahrscheinlich rutschte jetzt der Blutdruck in den Keller, jedenfalls wurde ich wohl auch ziemlich blass. Uwe kramte schnell ein Stück Schokolade raus, in der Annahme, es würde helfen. Aber ich musste es ganz schnell wieder ausspucken, es war einfach nur widerlich. Nach 1 bis 2 Minuten war aber alles wieder vorbei und mir ging es besser. Nur die Oberschenkel machten mir jetzt noch zu schaffen.

Mein erster Marathon war ein einmaliges Erlebnis gewesen. Das Erlebnis Natur, die vielen Bekanntschaften und der Sieg über sich selbst, das wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es war die richtige Entscheidung.

Und ich werde auf jeden Fall zum Rennsteig zurückkehren - versprochen!!!

16 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe Freundin Marianne♥
Dieser Bericht wird noch äuβerst aufmerksam gelesen, was sage ich analysiert, gekostet und genossen werden.
Sehr rührend daβ dein Uwe eine Rose dabei hatte.
Nochmals meine Glückwünsche.
Mit einem dreifachen „Sport frei!“
grüβt dich ganz lieb,
Deine Freundin
Nadja
xxx

Katrin hat gesagt…

Liebe Marianne,
na dann sind wir doch schon zwei die wiederkommen. Ich habe den Lauf ja genauso genossen wie Du. Es war wirklich schön. Deine ersten Marathon hast Du eindrucksvoll beschrieben. Man kann gar nicht alles mit Worten wiedergeben was einem im Kopf rumschwirrt. Gehts Dir auch so?
Also dann, erhol Dich gut und schau mal hier...

http://picasaweb.google.de/katrin1011/Rennsteiglauf02?authkey=Gv1sRgCML_16vHoIDu6AE#5337162796371719298

und hier...
http://picasaweb.google.de/katrin1011/Rennsteiglauf02?authkey=Gv1sRgCML_16vHoIDu6AE#5337162515043620130

Ich hoffe die Links funktionieren.
Liebe Grüße Katrin

Marianne hat gesagt…

Katrin, vielen Dank! Jetzt kann ich zu Hause auch ein bisschen Rennsteiglauf zeigen.
Es ist wirklich so, was einem unterwegs alles durch den Kopf geht und die ganzen Emotionen, das kann man wirklich alles nicht wiedergeben!

Auf jeden Fall ist nach dem Rennsteiglauf vor dem Rennsteiglauf!

LG Marianne

Anonym hat gesagt…

Hallo liebe Marianne,
ich habe Deinen Bericht mit Tränen in den Augen gelesen. Ich bin soooo stolz auf Dich! Seit fast einem Jahr verfolge ich hier über Deinen Blog deine läuferische Entwicklung. Ich freue mich sehr für Dich, daß Du diesen, deinen Marathon so eindrucksvoll geschafft hast. Er wird Dir ewig in Erinnerung bleiben. Man kann sich im Leben fast alles kaufen - aber einen Marathon nicht! Du hast etwas geschafft, was 95% der Bevölkerung niemals schaffen werden.
Herzlichen Glückwunsch!
Jetzt regeneriere erstmal und dann auf ein Neues.
Ich bin übrigens auch schon wieder fürs nächste Mal angemeldet!
Liebe Grüße
Petra

Marianne hat gesagt…

Liebe Nadja, leider kann ein Bericht nie das wiedergeben, was dort abgeht. Es ist wirklich ein großartiges Abenteuer gewesen.
Die Rose hat auch die lange Fahrt nach Hause überstanden und erinnert mich an einen tollen Tag.
LG Marianne

Marianne hat gesagt…

Liebe Petra,
danke für deine lieben Zeilen.
Was, du bist schon angemeldet? Auch schon fürs Quartier? Vielleicht könnte ich mich ja dann diesmal anschließen?
LG Marianne

Küstenrennmaus hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch zum Finish und der tollen Rennsteig Zeit. Es muß echt ein schönes Erlebnis gewesen sein.

Danke für das Mitnehmen durch Deinen Bericht.

Sei herzlich gegrüßt von der Küstenrennmaus

Marianne hat gesagt…

Vielen Dank, liebe Ingeborg!
Dieses Erlebnis war wirklich wie ein Geschenk an sich selbst! Ich werde wohl noch lange daran denken.
LG Marianne

ramona hat gesagt…

Ganz klasse, was Du da geleistet hast! Vielen Dank für Deinen anschaulichen Bericht. Und Du hast auch noch Freunde von mir getroffen (Doris, Rita und Rigo) - das ist schön!

Erhol Dich gut!

Übrigens, ich bin auch schon für nächstes Jahr angemeldet, allerdings wieder beim Supermarathon. :)

Billy hat gesagt…

Liebe Marianne,

ein sehr schöner Bericht über Deinen ersten Marathon. Und ich bin sicher, dass Du trotz des Muskelkaters auf Wolke 7 schwebst :-)
Denn: Der Schmerz vergeht, aber der Stolz bleibt!
Ich finde es sehr schade, dass ich Dich nicht bei den anderen Streakrunnern getroffen und kennengelernt habe, aber vielleicht im nächsten Jahr.
Denn auch ich habe mich, wohl vollgepumpt mit Endorphinen und sicher nicht ganz Herrin meiner Sinne, gleich nach Zielankunft für den Supermarathon 2010
angemeldet :-).

LG Billy

Ika hat gesagt…

Liebe Marianne,
vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht.
Und erst einmal meinen Glückwunsch zum ersten gelungenen Marathon.
Das steht mir ja noch bevor. ;-)
na, den HM werde ich doch wohl nächstes Jahr dort hinbekommen...
Auf jeden Fall muss ich das auch mal dort erleben, Dein Bericht hat mir noch mehr Lust drauf gemacht.
Erhol Dich gut.
Liebe Grüße
Erika

Marianne hat gesagt…

Liebe Ramona,

deine Freunde sind wirklich sehr mitreißend in ihrer Begeisterung für den Rennsteig. Es hat mir großen Spaß gemacht, ihnen immer wieder zu begegnen.
Ich freu mich schon aufs nächste Mal:-)))

LG Marianne

Marianne hat gesagt…

Liebe Billy, danke für deine Wünsche. Ich finde es auch sehr schade, dass ich euch alle nicht getroffen und kennengelernt habe. Aber ich war dann irgendwann einfach froh, dass ich mich in die Waagerechte begeben konnte. Aber wir lernen uns bestimmt im September in Berlin kennen.
Toll, dass du dich für den Supermarathon entschieden hast, du schaffst das bestimmt!
Herzlichen Glückwunsch auch zum diesjährigen Finish beim Rennsteigmarathon!
LG Marianne

Marianne hat gesagt…

Liebe Ika, vielen Dank!
Der HM ist doch ein guter Ansporn. Ich habe mir sagen lassen, dass ich viele Treppen laufen soll, das wäre ein prima Training!
LG Marianne

Gerd hat gesagt…

Eine beeindruckende Leistung.
Gleich einen Marathon zum Einstieg und dann auch noch den Rennsteig.
Respekt!
Würde ich mir nicht zutrauen.

Marianne hat gesagt…

Hallo Gerd, vielen Dank!
In den Wochen vor dem Marathon habe ich mich schon so manches Mal gefragt, ob das nicht völlig verrückt ist. Andererseits habe ich immer gedacht, wenn du nicht kannst, dann walkst du zwischendurch. Und so war es letztendlich auch. Habe zwar gedacht, du hast hier viel Hügeltraining gemacht, du bist gut trainiert. Aber Berge sind dann doch was anderes. Auf jeden Fall werde ich das im nächsten Jahr etwas anders trainieren und wenn ich ins Studio aufs Laufband gehen muss.
LG Marianne