Mittwoch, 18. August 2010

Ein Schiff wird kommen...



... und das sollte die AidaCara sein. In Ermangelung eines Fotos von ihr, gibts dafür jetzt eins von einem der vielen ebenso beeindruckenden Containerschiffe - hier die Iris Bolten - die uns auf unserem Weg begleiteten.

Aber jetzt erstmal zurück zum Anfang des Geschehens:

Vor einem Jahr eröffnete Frank im Streakrunner-Forum ein neues Thema: "Streakrunner erobern den NOK".
Was, NOK? Das war mir erstmal unbekannt, aber bald wusste ich Dank Google und den nachfolgenden Beiträgen im Forum: Der NOK ist der Nord-Ostsee-Kanal, also ein Kanal auf dem die Schiffe von der Nordsee in die Ostsee und umgekehrt gelangen konnten.

Der Beitrag lud ein zu einem viertägigen Etappenlauf entlang des NOK. Hörte sich einerseits sehr vielversprechend an, aber vier Tage lang 120 km laufen - so was kam bisher in meinen Plänen überhaupt nicht vor - weil für mich nicht vorstellbar.
Dann wurden auch Begleitfahrzeuge gesucht und plötzlich dann der Gedanke: Wenn man nicht mehr kann, dann kann man ja auch mit dem Begleitfahrzeug fahren. Was also lag da näher, als den eigenen Mann mit dem eigenen Wohnmobil als Begleiter zu engagieren.
Und zum Trainieren hat man ja schließlich auch noch Zeit!

Schnell war dann auch das Jahr vorbei. Bis zum Schluss blieb die Skepsis, würde ich das schaffen. Einen Doppelpack von 2 x 25 km hatte ich schon mal gemacht, aber vier Tage hintereinander solche Strecken laufen? Aber es gab ja noch die Option Run & Bike, also zwischendurch aufs Fahrrad umsteigen.

Also machte ich mich am 01.08.2010 mit Mann und Hund und Womo auf den Weg in Richtung Norden. Wir wollten schon vorher ein paar Tage Urlaub in Schleswig-Holstein machen, was für mich zumindest Neuland war.

Am 04.08.2010 fuhren wir dann nach Kiel. Zuerst holten wir Erika dort von ihrer Tante ab. Die alte Dame wirkte dann aber gar nicht alt, sie fährt doch tatsächlich noch mit einem Quad durch die Gegend.
In Laboe machten wir dann erstmal eine U-Boot-Besichtigung und liefen die über 300 Stufen des Marine-Denkmals hoch - der Ausflug war also gleich mit einem ordentlichen Treppentraining verbunden. Hinterher gingen Erika und ich dann noch richtig auf die Piste und liefen 4,5 km entlang der Küste.

Die letzte Nacht vor dem Lauf verbrachten Uwe und ich mit unserem Womo auf einem Stellplatz an der Kieler Förde und mit Blick auf die Schleusen. Da war Schiffeschauen angesagt. Ich konnte meinen Blick gar nicht von diesen riesigen Containerschiffen lassen, ich kenne von unserem Kanal und der Oder nur den Anblick der Schubschiffe und natürlich anderen kleineren Schiffen. Das war schon sehr beeindruckend.

1. Etappe: Kiel - Sehestedt (35,5 km)

Am nächsten Morgen war es dann so weit. Unsere Gemeinschaft für die nächsten vier Tage traf sich gegen 9.30 Uhr an den Schleusen in Kiel Holtenau.
An diesem Morgen starteten als Läufer: Andrea, Sarah, Petra, Klaus, Tina, Stefan, Marianne, Sibylle, Karin, Marc und Frank. Esther und GöGa Heinz Dieter in Begleitung von Grobi wechselten sich als Run & Bike-Team ab. Rainer stieg als Begleiter aufs Fahrrad und unsere unermüdliche Erika nahm zunächst ihr "Besenfahrrad" in Besitz, wechselte zwischendurch auch mal in die Läuferriege. Uwe, Hanka und Susanne waren mit den Begleitfahrzeugen unterwegs und versorgten uns fürsorglich immer wieder mit Getränken und Nahrhaftem.

Zunächst liefen wir fast genau eine Meile zur nächsten Fähre und ließen uns über den NOK übersetzen. Die Fähren am NOK sind übrigens kostenlos. Das geht wohl noch auf Kaiser Wilhelms Zeiten zurück, der den Kanal erbauen ließ.
Das Wetter war an diesem Tag ziemlich regnerisch, aber es kam auch ab und an mal die Sonne raus und ließ unsere Sachen wieder trocknen.

Während eines heftigen Regengusses kam uns dann an einer Schleuse Christel entgegen. Sie hatte an diesem Tag noch ein Vorstellungsgespräch und reihte sich nun in unsere Läuferschar ein.

Ende der ersten Etappe war dann ein Imbiss in Sehestedt. Hier gab es erstmal etwas fürs leibliche Wohl, später gings zum Übernachten in das dortige Heuhotel.

Am Ende dieses Tages hatte ich zwar müde Beine, ansonsten habe ich den Tag gut überstanden. In lustiger Runde ließen wir den Abend dann ausklingen.


So langsam finden sich alle am Treffpunkt ein


Hier Organisator und Chef des Ganzen - Frank








Erika ist als "Besenfahrradfahrerin" bestens ausgerüstet mit echtem Besen ...


... und echter Teekannenklingel


Ein letztes Beschnuppern bevor es los geht


Das Heuhotel - Quartier für die erste Nacht ...

2. Etappe: Sehestedt - Breiholz (34,1 km)

Der 2. Tag beginnt mit einem sonnigen Morgen und einem wunderbaren Frühstück im Heuhotel.

Nachdem ein Teil der Fahrzeuge zum Etappenziel umgesetzt worden war und alle wieder beisammen waren, ging es dann mit der Fähre wieder auf die andere Seite des NOKs.

Das Anlaufen war zunächst ganz schön hart und der Gedanke zwischendurch aufs Fahrrad umzusteigen war schon jetzt recht nahe liegend. Am Ende habe ich es doch nicht getan, was aber viel an meinen Mitstreitern lag, die das Laufen doch teilweise recht kurzweilig machten, so dass Zweifel immer wieder recht schnell verdrängt wurden.

Unsere heutige Etappe führte uns u. a. durch Rendsburg. Auf einer blauen Linie liefen wir entlang der Sehenswürdigkeiten der Stadt bis zur Schwebefähre am NOK. Leider wurde diese gerade gewartet, so dass eine Überfahrt für uns nicht möglich war.
An der Fähre gab es eine Gaststätte, wo uns unsere Begleitfahrzeugfahrer erwarteten. Sie hatten schon mal ein paar Tische für uns besetzt. Allerdings war die Bedienung uns hier wohl nicht ganz gewachsen. Die Krönung des Ganzen war dann, dass Petra mit der einfachsten Bestellung - 2 Butterbrötchen - am längsten warten musste.

Gestärkt ging es zur nächsten Attraktion - zum Fußgängertunnel unter dem NOK. Diesen durchliefen wir hin und zurück. Weiter geht es dann entlang dem Kanal.

Unser heutiges Ziel ist der Sportplatz von Breiholz. Dort nahm uns der Leiter des örtlichen Sportvereins - Günter ohne h - in Empfang. Die Zelte können auf dem Sportplatz aufgestellt werden und wir dürfen auch die dortigen Duschmöglichkeiten nutzen. Leider müssen wir uns hier von Sarah verabschieden.

Später treffen wir Günter in der Dorfgaststätte wieder und werden von ihm mit Breiholzer Medaillen und Basecaps beglückt.

Es wurde ein lustiger Abend. Inzwischen waren auch Laufmaus Elke und Steffen eingetroffen.
Nur von der AidaCara - die den NOK gegen 21.30 Uhr bei Breiholz passiert - sehen wir von Weiten dann nur noch die Lichterketten durch die Bäumen leuchten.

3. Etappe: Breiholz - Hochdonn (32,2 km)

Der nächste Morgen beginnt mit einem herrlichen Frühstück mit frischen Brötchen im Freien.

Da die Autoumsetzung doch recht viel Zeit in Anspruch nimmt, starten wir relativ spät. Mir macht etwas Sorgen, dass dieser Tag zwar sonnig und schön, aber auch recht warm werden könnte. Ich entschließe mich - was ich eigentlich fast nie mache - mit Sonnenbrille und leichtem Cap als Schutz zu laufen.

Nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden sind und ich in meinen Tritt gefunden habe, wächst der Ehrgeiz, jetzt vielleicht doch die ganze Strecke laufend zu bewältigen. Meist laufe ich wieder zusammen mit Petra, wir passen tempomäßig doch recht gut zusammen.

Nach Oldenbüttel machen wir einen Umweg zum Gieselaukanal und der dort gerade geöffneten Schleuse. Dort gibts wieder eine Stärkung, unsere Begleiter haben wieder alles liebevoll hergerichtet. Wieder am NOK durchlaufen wir auf unserem Weg zwei Hochbrücken.

Etwas später gibt es dann noch für Hanka, Esther und mich den Hauptgewinn des NOK-Rätsels: Eine Kreuzfahrt - sprich Fährfahrt mit Piccolo!

Somit ist auch dieser Lauftag fast bewältigt. Glücklich laufen wir am Campingplatz "Klein-Westerland" ins Ziel der 3. Etappe.

Nach Zeltaufbau und Dusche beendeten wir unseren Tag in geselliger Runde bei Speis und Trank auf der Terrasse der Campingplatzgaststätte.

4. Etappe: Hochdonn - Brunsbüttel (19,7 km)

Nun hatten wir es fast vor Augen - das Ziel unseres Laufes. Für mich sicherlich ein ganz besonderes, bisher einmalig und kaum vorstellbar. Aber wenn nichts Schlimmes mehr passierte, dann konnte ich es erreichen: 120 km in vier Tagen!

Nach einem wirklich ausgiebigem Frühstück und dem letzten Umsetzen der Fahrzeuge führte unser Weg nun nach Brunsbüttel.

Als wir an der ersten Fähre ankamen, hatten wir noch nicht mal eine Meile zurückgelegt. Aber was ein richtiger Streakrunner ist, der läuft auch mal im Kreis. In diesem Fall drehten wir unsere Runde mitten auf der Fähre - was mögen wohl der Fährmann oder die Mitreisenden gedacht haben? Aber hier kennt mich ja zum Glück keiner!

Der Himmel war zwar heute bedeckt, aber die Luft recht schwül. Heike läuft heute auch, Susanne und Steffen waren zusätzlich aufs Rad gestiegen und versorgten uns so auf den letzten Kilometern mit Getränken.
Nach Brunsbüttel laufen wir dann auch gemeinsam als Gruppe ein. Immer wieder singen wir unser NOK-Lied, d. h. frei nach dem Rennsteiglied verfasst.

Als wir dann in die Fußgängerzone an den Schleusen einlaufen, bringen wir so manchen sonntäglichen Spaziergänger zum Wundern.
Hier gibt es auch eine richtig ordentliche Kanaltaufe mit allem was dazu gehört: Taufnamen, Rollmops, Aquavit und einem ordentlichen Guss Kanalwasser.

Ich kann gar nicht glauben, dass jetzt alles vorbei sein soll. Das Ziel ist erreicht, ich habs geschafft, aber irgendwie realisiere ich es nicht. Wir sind in den letzten vier Tagen fast eine richtige Familie geworden.
Dafür Dank an Alle! Vielen Dank vor allem an Frank, der diese wunderbare Idee hatte und alles organisiert und umgesetzt hat.
Vielen Dank an alle Begleiter für die tolle Versorgung: Hanka, Susanne, Heike, Steffen und Uwe.
Und Danke an alle laufenden und radelnden Mitstreiter: Ihr wart alle großartig!



... in den nächsten Nächten werden die Zelte aufgebaut. Dies ist für Erikas Zelt das letzte Mal.




Und das Fernweh kommt immer wieder durch






Neben dem Laufen ist in diesen Tagen das Essen und Trinken unsere Lieblingsbeschäftigung




Und noch ein letztes Mal der kleine Snack für Zwischendurch ...


...wo bleibt eigentlich meine Wurst?



"Fährmann hol über" oder "Eine gewonnene Kreuzfahrt"

5 Kommentare:

Ramona hat gesagt…

Liebe Marianne,
danke für den schönen Bericht und die tollen Bilder! Ein schönes Erlebnis hattet Ihr! Da wirst Du Dich sicher lange erinnern.
Alles Gute,
liebe Grüße
Ramona

Anonym hat gesagt…

Hallo liebe Marianne!

Vielen, vielen dankl für deinen schönen Bericht und die tollen Bilder! Es war so klasse, gemeinsam mit dir und den anderen zu laufen und zu quatschen! Es war einfach ein wunderschönes Gemeinschaftserlebnis. Grüße bitte auch Uwe von Rainer und mir!

Ganz liebe Grüße
Petra

Marianne hat gesagt…

Liebe Ramona,
es war wirklich ganz toll. Schade, dass du nicht dabei sein konntest, aber es klappt ja vielleicht im nächsten Jahr und darauf freue ich mich jetzt schon.
Liebe Grüße
Marianne

Liebe Petra,
so ein Erlebnis in der Gemeinschaft ist doppelt so schön. Und wir werden ja bestimmt noch viele Erlebnisse diese Art haben!
Ich wünsche dir und Rainer schon ein schönes Wochenende. Uwe lässt auch ganz lieb grüßen.
Liebe Grüße
Marianne

Anonym hat gesagt…

Liebe Marianne,
Solange habe ich auf ein Bericht von Dir gewartet. Das ist eine beeindruckende Reportage.
Beim Lesen wähnt man sich fast dabei. Hoffentlich können wir Dich in den nächsten Wochen wieder öfters lesen. Du hast ja auch noch „Was sonst noch passiert…“ 11Monate unbeschrieben.
Ganz liebe Grüße aus Flandern,
deine Nadja die oft an Dich denkt

Marianne hat gesagt…

Liebe Nadja,
schön, dass dir mein Bericht gefallen hat. Ich werde mir Mühe geben, in der nächsten Zeit im anderen Blog mal wieder was zu schreiben. Versprochen!
Liebe Grüße
Marianne