Die ganze Woche nehme ich mir vor, am Wochenende schläfst du aus. Und was passiert Samstagmorgen, ich bin um 4.45 Uhr hellwach. Wie immer schleiche ich mich leise aus dem Zimmer und verschwinde erstmal nach unten in die Küche. Dort setze ich Wasser für einen Tee auf.
Du bist verrückt, denke ich, vor 7.00 Uhr wird es gar nicht hell. Aber richtig schlafen hätte ich auch nicht mehr können. Also trinke ich erstmal meinen Ingwertee und lese in der letzten "Laufzeit". Nach einer halben Stunde rolle ich dann im Wohnzimmer meine Yogamatte aus und fange an, ein paar Übungen zu machen. Später dann auch noch die Tibeter, die ich schon seit zwei Wochen wieder vernachlässigt habe.
Gegen 6.30 Uhr schnüre ich dann meine Laufschuhe und es geht raus in den Morgen. Draußen ist es noch dunkel. Vom Vollmond ist zwar nichts zu sehen, trotzdem scheint es irgendwie heller als sonst zu sein.
Bald wird der Morgen dämmern, denke ich und laufe los. Erst mal wieder in die Stadt.
Ich mag abends die Läufe im Dunkeln nicht so sehr, aber am Morgen ist es irgendwie anders. Es sind kaum Autos unterwegs, auch in der Stadt ist es noch sehr ruhig. Nur der Bäcker vom neuen Lidl-Markt hat schon geöffnet.
Es geht weiter in die Siedlung an den Schloßwiesen, dann wird es einsam. Ein wenig gruselt es mich anfänglich schon so allein. Doch dann fange ich an, es zu genießen - die Ruhe, das leichte Rascheln des Schilfes, die fernen Lichter der Papierfabrik. Wunderbare Gedanken kommen und gehen, mir fehlt wirklich ein Diktiergerät. Zu Hause fällt mir meist nur noch die Hälfte ein.
Bald bin ich wieder am Park angekommen. Nur noch höchsten 10 Minuten und ich bin wieder zu Hause. Es ist heute immer noch dunkel. Ich möchte nicht im Dunkeln wieder nach Hause kommen, nein, es sollte ja ein Lauf in den hellen Morgen werden. Also wende ich mich nach rechts und laufe auf dem Radweg entlang der Straße.
Hier kommen bald mehrere größere Betriebe - die größten Arbeitgeber nach dem PCK - Butting und Alba auf der linken Seite, auf der rechten Leipa und UPM Kymene, zwei große Papierfabriken. In der ersten haben ich damals mein Arbeitsleben begonnen, mit einer Lehre als Papiermacher oder besser als Facharbeiter für Anlagentechnik.
Dazwischen liegt noch das Waldbad und die Waldsportanlage.
Später als ich nur noch am Wald entlang laufe, beginnt es richtig hell zu werden.
Dann dauert es auch nicht mehr lange, ich erreiche die Welsebrücke und den kleinen Ort Vierraden. Und einen knappen Kilometer später bin ich auf der "Scholle", so heißt nämlich die kleine Siedlung mit ca. 10 Häusern, wo wir wohnen.
Nach einem Lauf von 92 Minuten bin ich wieder zu Hause und freue mich so richtig auf mein Frühstück.
Polderlauf - 14.12.08
Heute ist es draußen so richtig ungemütlich. Die Temperaturen sind eigentlich nicht wesentlich kälter als gestern, aber durch den starken Ostwind ist das Kälteempfinden deutlich höher.
Als ich gegen Mittag Uwe für kurze Zeit auf dem Hof beim Umladen eines Hängers helfe, will ich bloß wieder ins warme Haus. Meine Füße wollen gar nicht mehr warm werden. Aber was hilft es, außerdem beim Laufen werden die Füße schon warm.
Uwe macht den Vorschlag, mit dem Auto nach Gatow zu fahren. Gatow liegt an der Hohensaatener-Friedrichsthaler-Wasserstraße, genau auf der Strecke zwischen Schwedt und Friedrichsthal.
Hinterm Kanal und hinterm Deich liegt das Poldergebiet. Die Poldern wiederum befinden sich zwischen Kanal und Oder und gehörem zum heutigen Nationalpark "Unteres Odertal". Zu DDR-Zeiten wurden diese Wiesen bewirtschaftet, heute lässt man hier der Natur seinen Lauf.
In den Wiesen befindet sich ein umfangreiches Netz von Plattenwegen. Uwe war Ende der 70-er Jahre Lehrling bei der Melioration und hat einen Teil dieser Wege mitverlegt. Bei früheren Fahrradtouren auf diesen Wegen hat er mir immer unzählige Geschichten erzählt, was er damals alles dort erlebt hat.
Die Wiesen stehen schon teilweise unter Wasser, bald wird vielleicht auch mein Weg, auf dem ich laufe unter Wasser liegen. Die Polderwiesen werden bei drohendem Hochwasser überschwemmt, man öffnet die Wehre an der Oder und lässt das Wasser ins Poldergebiet abfließen. Im Winter ist es oft so, als würde Schwedt und Umgebung am Meer liegen. Doch noch kann ich auf meinem Weg bis an die Oder laufen.
Nach 50 Minuten sind wir wieder am Auto und ich habe die wärmsten Füße, die man sich vorstellen kann. Ein wunderschöner Lauf, mich durchströmt nicht nur Wärme, mich durchströmt eine Seligkeit wie schon lange nicht mehr.




9 Kommentare:
Hallo liebe Marianne,
Du bist eine richtige Genußläuferin geworden - das spürt man in jedem Deiner Sätze und das gefällt mir sehr.
Schön auch Dein neues Bild mit kurzen Haaren!
Viele liebe Grüße
petra
hallo, liebe marianne-
ich bin mir sicher, das ist die schönste art, den tag zu beginnen. auch wenn ich das so gut wie nie schaffe, morgens so früh aufzustehen, wenn noch alles schläft... ich habe eine laaange anlaufzeit am morgen.
danke fürs mitnehmen auf deiner schönen laufstrecke.
deine kurzhaarfrisur sieht richtig gut aus- dafür hat sich das schnippeln aber gelohnt! du wirkst viel jünger...:-)
ich wünsche dir eine gute lauf-woche mit schönen erlebnissen...
athena
Liebe Petra, liebe Athena,
schön, dass euch meine neue Frisur gefällt.
Ich liebe meine Wochenendläufe wirklich, vor allem die am Morgen!!!
Zu dieser Jahreszeit lernt man das Tageslicht wirklich zu schätzen. Und früh aufstehen lohnt sich fast immer, auch wenn ich manchmal gegen Mittag schon wieder müde bin;-)
Liebe Grüße,
Marianne
Hallo Marianne,
heute habe ich ja richtig Zeit gebraucht, um Deinen Bericht zu lesen :-) Schön geschrieben, ich könnte schwören, ich wäre selbst dort gelaufen.
Tolle Frisur, gefällt mir besser als die alte. Steht Dir richtig gut. Und sooo kurz ist es ja auch gar nicht.
Liebe Grüße
Danke liebe Beate. Und man muss alles im Verhältnis sehen! Die Friseuse war jedenfalls froh, dass sie kurze! Haare fönen durfte. Als ich reinkam, hat sie schon innerlich gestöhnt. Hat sie mir später gestanden.
Liebe Grüße
Marianne
Hallo Marianne,
ich habe mir heute ganz mutig eine kleine Ingwerwurzel geholt. Aber wenn man im Internet wühlt, findet man 100 verschiedene Arten für Ingwertee, mal mit kochendem Wasser, mal mit abgekühltem Wasser, mal bloß nicht zuviel davon trinken, mal viel trinken. Was hast Du denn für Erfahrungen damit gemacht und wie bereitest Du ihn zu?
Schonmal vielen lieben Dank
Beate
Hallo Beate, meine ersten Erfahrungen mit Ingwer habe ich bei der Suppe gemacht. Später habe ich ein Buch über Aryuveda gelesen. Da spielt ja die Ernährung eine große Rolle und es gibt drei verschiedene Energieprinzipien: Vata, Pitta und Kapha. Ehrlich gesagt, habe ich schon vergessen, was ich für ein Typ bin. Aber für mich gab es damals die Empfehlung morgens auf nüchternen Magen heißes Ingwerwasser zu trinken. Ich schäle dazu ein ca. haselnussgroßes Stück, viertel es nochmal und übergieße es dann mit Wasser, dann lasse ich es ca. 10 Minuten ziehen. Ob es so richtig ist, weiß ich nicht mehr so 100prozentig. Es soll für die Verdauungsfunktion hilfreich sein und eine entschlackende Wirkung haben. Hoffentlich bist du vom Geschmack nicht enttäuscht, ich mag es jedenfalls.
Liebe Grüße, Marianne
Schau mal hier:
http://www.incantator.de/ingwerwasser/
Klasse, danke auch für den Link. Interessant! Ich hab zwar auch Einiges darüber gelesen, aber dort wird alles gut zusammengefasst. Vor allen Dingen interessant, dass man nicht zuviel davon trinken soll.
Den Geschmack finde ich unerwartet lecker. Normalerweise mag ich den Ingwergeschmack (z. B. in Bonbons) überhaupt nicht, aber der Tee schmeckt richtig lecker.
Also ab jetzt gibt's ab und zu morgens einen Ingwertee.
Liebe Grüße, Beate
Kommentar veröffentlichen